Markus Bitterolf, Oliver Schlaudt, Stefan Schöbel (Hrsg.):
Intellektuelle in Heidelberg 1910-1933

Ein Lesebuch

intellektuelle in heidelberg 1910 1933 lesebuch markus bitterrolf oliver schlaudt stefan schoebel gross

Broschur
430 Seiten
2014 - Verlag Stefan Schöbel

23.80 EUR

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Dichter Gelehrte Wissenschaftler Provokateure Kämpfer Verrückte Weise Suchende Experimentierende outsider insider Enthusiasten Egomanen Rivalen Freunde Träumer Experten Mahner Störer Talente Reisende Forschende Rastlose Revolutionäre - 32 Portraits:

Hannah Arendt, Marie Baum, Walter Benjamin, Ernst Blass, Ernst Bloch, Jean Cavaillès, Hilde Domin, Norbert Elias, Erich Fromm, Frieda Fromm-Reichmann, Emil Gumbel, Alexandre Kojève, Jürgen Kuczynski, Emil Lederer, Käthe Leichter, Leo Löwenthal, Georg Lukács, Golo Mann, Karl Mannheim, Rosa Meyer-Leviné, Carlo Mierendorff, Gustav Radbruch, Anna Seghers, Alfred Seidel, Isaak Steinberg, Alfred Sohn-Rethel, Ernst Toller, Sergej Tschachotin, Margarete Turnowsky-Pinner, Alfred Weber, Max Weber und Carl Zuckmayer...

Beiträge von: Markus Bitterolf, Reinhard Blomert, Bernd Braun, Micha Brumlik, Eberhard Demm, Carl Freytag, Gerhard Heinzmann, Dirk Hoeges, Christian Jansen, Peter-Erwin Jansen, Peter König, Renate Kremer, Jill Lewis, Reinhard Mehring, Alexandre Métraux, Walter Mühlhausen, Volker Neumann, Stephan Reinhardt, Angela Reinthal, Ilona Scheidle, Oliver Schlaudt, Stefan Schöbel, Marion Tauschwitz, Jennifer Tharr, Christian Voller, Hendrik Wallat, Judith Wisser, Christiane Zehl-Romero, Peter Zudeick


Hier einige der 32 Porträts, die die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) in lockerer Reihenfolge vorstellen wird bzw. schon vorgestellt hat. Der Verfasser ist Arndt Krödel.

Begonnen wurde am 9.01.2015 mit der Einführung in das Buch und dem Porträt von Anna Seghers:

rnz 2015 01 09 intellektuelle in heidelberg 1910 1933 art 01 klein

RNZ vom 09.01.2015

Porträts aus einer geistig brodelnden Zeit

In der Edition Schöbel erschien ein Lesebuch über "Intellektuelle in Heidelberg 1910 - 1933".

An Stoff herrschte kein Mangel. Das soeben in der Heidelberger "edition schöbel" herausgekommene Buch "Intellektuelle in Heidelberg 1910 - 1933" hätte über seine 429 Seiten hinaus noch gut und gerne 200 Seiten mehr enthalten können, hätten seine Herausgeber Markus Bitterolf, Oliver Schlaudt und Stefan Schöbel nicht einen klaren Redaktionsschlusspunkt gesetzt. ...

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rnz 2015 01 21 intellektuelle in heidelberg 1910 1933 art 02 kleinRNZ vom 20.01.2015

Nächtliche Scharmützel auf der Hauptstraße

Lesebuch "Intellektuelle in Heidelberg 1910 - 1933" (II): Carl Zuckmayer und Carlo Mierendorff

Sie kehrten beide als politisierte Pazifisten aus dem Ersten Weltkrieg zurück, völlig desillusioniert, den Wahnsinn diese Krieges - jeden Krieges - längst durchschauend. Carl Zuckmayer der eine, Sohn eines rheinhessischen Fabrikanten für Weinflaschenkapseln, Carlo Mierendorff der andere, gebürtiger Sachse und aufgewachsen in Darmstadt. ...

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rnz 2015 02 24 intellektuelle in heidelberg 1910 1933 art 03 kleinRNZ vom 24.02.2015

Beginn eines ganz eigenen Wegs als Denkerin

Lesebuch "Intellektuelle in Heidelberg 1910-1933" (III): Hannah Arendts wichtige Jahre am Neckar

Ein Abend im Heidelberg des Jahres 1926: eine junge Frau spaziert zu vorgerückter Stunde in Begleitung zweier Herren den Philosophenweg hinauf, laut lachend und Gedichte rezitierend. Es ist Hannah Arendt, Studentin der Philosophie an der Ruperto Carola. Sie geht Arm in Arm mit Kurt Blumenfeld, damals ein bekannter Zionist, der gerade einen Vortrag vor Studenten gehalten hat. ...

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REZENSION von Landshövding Wibelius:

Heidelberg - eine kleine Stadt in Deutschland, Residenzstadt nur bis 1720, doch ausgestattet mit einer bedeutenden Universität, der ältesten auf dem Gebiet des heutigen Deutschland. Immer wieder versammelten sich in der Stadt und im Umkreis der Universität bedeutende Denker aus dem deutschsprachigen und gesamteuropäischen Raum. Blütezeiten waren vor allem die Jahrzehnte vor dem Dreißigjährigen Krieg, als Heidelberg als "Drittes Genf" (nach Genf und Leiden) die wichtigste Stadt des calvinistischen Europas war, dann die Jahre der "Heidelberger Romantik" und der Neugründung der Universität nach der Übergang Heidelbergs an Baden im Jahr 1803, und natürlich die Zeit, die etwa um 1910 begann und mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 ein jähes Ende fand.

In dieser Zeit hielten sich in Heidelberg für längere oder kürzere Zeit ein Menge wichtiger und einflussreicher Intellektueller auf. Viele waren damals schon berühmt, andere, die später zu Weltruhm gelangten, hatten hier prägende Erlebnisse. Man glaubt gar nicht, welche Persönlichkeiten sich damals in Heidelberg ein Stelldichein gaben. 32 von ihnen werden in diesem Buch porträtiert, jeweils mit Schwerpunkt auf ihrer Heidelberger Zeit. Exemplarisch nenne ich hier Hannah Arendt, Marie Baum, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Hilde Domin, Emil Julius Gumbel, Georg Lukácz, Golo Mann, Karl Mannheim, Gustav Radbruch, Anna Seghers, Ernst Toller und Max Weber. Da jedes Kapitel von einem anderen Autor bearbeitet wurde und der Herausgeber darauf verzichtet hat, dem Verfassern für ihre Aufsätze Vorgaben zu machen, weicht freilich die Gestaltung der einzelnen Kapitel stark voneinander ab. Bei manchen Personen wird ein schöner, quasi enzyklopädischer, Überblick über Leben und Werk gegeben, so bei der sehr gelungen Darstellung des Juristen Gustav Radbruch. Der Soziologe Alfred Weber, Bruder des berühmteren Max Weber, hingegen wird ausschließlich durch die Wiedergabe eines einzigen längeren Textes vorgestellt. Jeder Autor wählt seine eigene Lösung. So hat jedes Kapitel seine eigene Konzeption, doch insgesamt ergibt sich ein faszinierendes Panorama dessen, was oft der "Heidelberger Geist" genannt wurde. Man staunt immer wieder, wie viele bedeutende Denker damals in Heidelberg tätig waren. Nicht ohne Grund wurde Heidelberg damals gern die "geheime Hauptstadt Deutschlands" - nach anderer Lesart die "Hauptstadt des geheimen Deutschland" - bezeichnet. Der ebenfalls in diesem Buch porträtierte Ernst Bloch setzte den Kontrapunkt, indem er Heidelberg das "schmuddelige badische Mekka des Geschwätzes" nannte. - Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass das Buch gut mit Schwarzweiß-Fotos illustriert ist.

Das Buch ist in einem kleinen, ausgesprochen "linken", Verlag erschienen. Dies erklärt, warum einige bedeutende Intellektuelle, die ebenfalls zwischen 1910 und 1933 in Heidelberg wirkten und nur eben keine "Linken" waren, in dem Buch nicht mit einem eigenen Kapitel gewürdigt werden: Stefan George, Friedrich Gundolf, Karl Jaspers. Dies bedeutet freilich nicht, dass nicht auch diese Personen in einzelnen Kapiteln immer wieder vorkommen.

Zwei Dinge sind mir bei der Lektüre dieses Buches bewusst geworden:

Es ist auffällig, wie viele in diesem Buch porträtierten Persönlichkeiten Juden waren. Die Bedeutung der Menschen jüdischer Abstammung für das deutsche Geistesleben, und zwar gerade für die Ausprägung einer demokratisch-republikanischen Gesinnung, kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden.

Und zum anderen - aber das hängt teilweise mir dem ersten Punkt zusammen - wird wieder einmal erschreckend deutlich, wie tief der Zivilisationsbruch von 1933 war. Hitlers dunkler Schatten liegt über dem ganzen Buch. Eigentlich alle Protagonisten dieses Buches mussten, soweit sie 1933 noch lebten, emigrieren, und die paar wenigen, die in Deutschland bleiben konnten (wie Marie Baum und Gustav Radbruch) wurden an den Rand gedrängt, wenn sie nicht, wie Carlo Mierendorff, im KZ landeten. Binnen kürzester Frist hatten die Nazis die Stadt des lebendigen "Heidelberger Geistes" in eine geistige Totenstadt verwandelt.


REZENSION von Ramona Ambs bei HaGalil

"Sie sind alle wieder da. Sie schlendern über die alte Brücke, flanieren im Schloßgarten und führen hitzige Debatten in den Gassen der Altstadt: Heidelbergs Intellektuelle aus den Jahren 1910-1933. Ein 432 Seiten starkes Buch hat sie wieder lebendig gemacht: Man sieht die schüchterne Netty Reiling (Anna Seghers) durch die Landhausstraße eilen, man hört Emil Lederer dozieren und man schwärmt mit Rosa Meyer-Leviné abwechselnd für die Revolution und die Romantik. ..."

im Artikel "Pinguin Patata, Gott und seine Mischpoche" von HaGalil.com weiterlesen.


markus bitterrolf oliver schlaudt stefan schoebel intellektuelle in heidelberg buchvorstellung 16.12.2014Foto: Thilo Ross

Oliver Schlaudt, Stefan Schöbel, Markus Bitterolf (von l. nach r.) bei der Vorstellung des Buches am 16.12.2014.

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markus bitterrolf oliver schlaudt stefan schoebel intellektuelle in heidelberg buchvorstellung visitors 16.12.2014

Foto: Thilo Ross

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intellektuelle in heidelberg herausgeber und autoren buchvorstellung 16.12.2014

Foto: Privat

Oliver Schlaudt, Ilona Scheidle, Peter König, Stefan Schöbel, Markus Bitterolf, Marion Tauschwitz ( von li. nach re.). Das Foto stammt aus der Chronik von M. Tauschwitz "Buchvorstellung am 16.12.2014".